Bis zu 93 Millionen Dollar aus Wallets abgezogen, die zu Geräten eines Wiederverkäufers gehören. Was bestätigt ist, was nicht und wie man sich schützt.
Rund um den 9. Oktober 2026 wurden grossflächige Abbuchungen von Wallets gemeldet, die zu Ledger-Geräten gehören, die von CryptoBilis verkauft wurden, einem Wiederverkäufer, der auf der Website des Herstellers als autorisiert geführt wurde. Am 12. Oktober fasste CoinDesk den Informationsstand zusammen. Die folgenden Zahlen sind Schätzungen von Analysefirmen, keine von Ledger bestätigte Gesamtsumme.
Die bekannten Fakten
Laut CoinDesk verfolgte die Analysefirma Bitquery 93,2 Millionen Dollar aus 315 Wallets auf sechs Blockchains, vor allem in USDT und TRON-Token. Eine andere Plattform, YFarmX, schätzt 94,5 Millionen aus 521 Adressen auf sieben Blockchains. Beide Schätzungen beruhen auf öffentlichen Blockchain-Daten. Ledger hat die Gesamtsumme nicht bestätigt und nicht gesagt, ob eine Entschädigung geplant ist. Tether fror 10 Millionen USDT im Zusammenhang mit dem Diebstahl ein. Laut Bitquery waren am 11. Oktober noch rund 81 Millionen on-chain nachvollziehbar, während ein Teil der Mittel über Tornado Cash und Zcash geflossen war.
Was Ledger bestätigt hat
Ledger erklärte, jeder bestätigte Fall betreffe Geräte dieses südostasiatischen Wiederverkäufers, und bestätigte ein unautorisiertes Hardware-Implantat in mindestens einem Gerät. Offen blieb, ob das bestohlene Wallet auf dieselbe Weise kompromittiert wurde und wie die Geräte manipuliert wurden. Betroffenen Kunden wird empfohlen, unbenutzte Geräte nicht einzurichten und bei bereits genutzten Geräten die Mittel auf ein neues Gerät mit neuer Wiederherstellungsphrase zu übertragen. Ein Teil der Community bestreitet die These eines Einzelfalls, da der Wiederverkäufer als autorisiert aufgeführt war.
Etwas anderes als Phishing
CoinDesk unterscheidet den Vorfall von einer Phishing-Kampagne im April mit einer gefälschten Ledger-Live-App, die mindestens 9,5 Millionen Dollar von Nutzern abgezogen haben soll, die ihre Wiederherstellungsphrase eingaben. Diesmal scheint der Angreifer laut Artikel die Schlüssel erlangt zu haben, um Hunderte Wallets direkt zu leeren. Das Risiko liegt also nicht in einem Fehler der Nutzer, sondern in der Lieferkette des Geräts.
Was das für Krypto-Nutzer bedeutet
Der Fall zeigt nicht, dass Hardware-Wallets generell unsicher sind, und sollte nicht so gelesen werden. Er zeigt, dass das Vertrauen in ein Gerät auch davon abhängt, wie man es kauft. Einige naheliegende Massnahmen, allgemein üblich und nicht der Quelle entnommen:
- nur beim Hersteller oder über Kanäle kaufen, die sich direkt auf dessen Website prüfen lassen;
- nie eine vorgedruckte oder in der Packung mitgelieferte Wiederherstellungsphrase verwenden;
- die Wiederherstellungsphrase selbst erzeugen und offline aufbewahren;
- bei auffallend niedrigen Preisen und geöffneten Verpackungen misstrauisch sein.
Für Unternehmen, die digitale Werte verwahren, bestätigt der Fall den Nutzen kontrollierter Beschaffung, mehrerer Unterschriften für wichtige Bewegungen und eines Geräteinventars.
Ein letzter Punkt: Der Artikel hält fest, dass Stablecoin-Emittenten Token im Zusammenhang mit Straftaten einfrieren können, anders als bei Bitcoin und Ether. Das ist ein technischer Unterschied, den man kennen sollte, ohne daraus Schlüsse über die Vorzüge der einen oder anderen Lösung zu ziehen.
Quellen
- CoinDesk, Ledger claims CryptoBilis cases are limited as up to $93 million is traced, $10 million frozen, 12. Oktober 2026: https://www.coindesk.com/tech/2026/10/12/ledger-claims-cryptobilis-cases-are-limited-as-up-to-usd93m-is-traced-usd10m-frozen
Information, keine Beratung. Die Zahlen sind Schätzungen Dritter, wie von der Quelle berichtet.